Aufgrund seiner geologischen, klimatischen und hydrologischen Gegebenheiten verfügt Europa über alle Formen erneuerbarer Energiequellen, wenn auch regional sehr unterschiedlich verteilt. Allein die Mitglieds- bzw. Kandidatenstaaten, die im Sonnengürtel der Erde liegen oder in dessen Nähe, könnten mit ihrem Strom aus solarthermischen Kraftwerken fast die Hälfte des Strombedarfs in der EU decken. Bislang wird aber nur von einem Zehntel des verfügbaren Potenzials an Windenergie, Wasserkraft, Solarthermie, Photovoltaik, Geothermie oder Biomasseenergie für die Stromerzeugung Gebrauch gemacht. Dies liegt auch am mangelnden gemeinschaftlichen Handeln der Mitgliedsstaaten.
Kräfte bündeln
Das Projekt einer Europäischen Gemeinschaft für Erneuerbare Energien (ERENE) will die Kräfte und Ressourcen innerhalb der EU bündeln und so die Erschließung und Nutzung erneuerbarer Energien optimieren. Langfristiges Ziel sind die vollständige Deckung des europäischen Strombedarfs durch erneuerbare Energien und der Ausstieg aus der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und Atomstrom. Zu den vorrangigen Aufgaben der geplanten Gemeinschaft zählen der Aufbau eines europäischen Stromverbundnetzes, die Gründung eines europäischen Binnenmarktes für erneuerbare Energien, die Förderung von Forschung und Entwicklung sowie die Kooperation mit den Ländern des Mittelmeerraumes aufgrund ihres riesigen Potenzials für thermische Solarkraft.
Was muss getan werden?
- Aufbau eines gesamteuropäischen Stromverbundnetzes
- Gründung eines europäischen Binnenmarkts für erneuerbare Energien
- Förderung der Staaten übergreifenden Forschung
- Errichtung von Demonstrationsanlagen für die Erzeugung und
- Verteilung von Energien aus erneuerbaren Quellen
- Kooperation mit den Ländern des Mittelmeerraumes aufgrund ihres riesigen Potenzials für thermische Solarkraft
Integrationsprojekt der Zukunft
Nach dem gemeinsamen Binnenmarkt und der gemeinsamen Währung könnte ERENE zum neuen großen Integrationsprojekt für Europa werden. Die Europäische Union braucht plausible europäische Projekte und ambitionierte Ziele, wenn sie ihre politische Dynamik bewahren will. ERENE wird nicht nur einen relevanten Beitrag zum globalen Klimaschutz leisten, sondern die europäische Wirtschaft auf einen zukunftsfähigen Kurs katapultieren, der Hunderttausende neuer Arbeitsplätze schafft. Es geht um nicht weniger als eine neue industrielle Revolution, in deren Zentrum eine immense Steigerung der Ressourceneffizienz und die Senkung der CO2 –Emissionen der Mitgliedsstaaten um 80 – 90 Prozent stehen werden.
ERENE realisieren
In einer Studie im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung haben Michaele Schreyer und Lutz Mez den Vorschlag für eine Europäische Gemeinschaft für Erneuerbare Energien ausformuliert. Die Heinrich-Böll-Stiftung stellt dieses Projekt nun in Deutschland und in weiteren EU-Mitgliedsstaaten der Öffentlichkeit vor, um eine europaweite Debatte über die Realisierungsmöglichkeiten einer „Europäischen Gemeinschaft für Erneuerbare Energien“ anzustoßen. Zudem soll eine Allianz mit anderen Organisationen gebildet werden, um die Öffentlichkeit und die politischen Entscheidungsträger in den EU-Mitgliedsstaaten und der Europäischen Union von ERENE zu überzeugen.


